113. Ernst-Schröder-Seminar
Modellkunde in Beispielen
Prof. Dr. Bernhard Thalheim
aus Kiel
Jedes Objekt und jede Idee kann als Modell in einem
Anwendungsszenario gebraucht werden, wenn es im Szenario als
Instrument in einer Funktion nützlich wird. Durch diesen Gebrauch
und diese Funktion werden ein Objekt oder eine Idee zum Modell,
zumindest für eine gewisse oder lange Zeit für den jeweiligen
Modell-Benutzer in seinem Kontext und seiner Umgebung.
Modelle erzählen deshalb eigentlich etwas über den Gebrauch,
die Funktion, das Szenario und die Benutzer ohne dass man dies
explizit dem Modell ansieht. Das Modell-Sein eines Objektes oder
einer Idee erklärt auch viel zum Objekt oder zur Idee.
Modelle werden in den Wissenschaften und der Technik ebenso
vielfältig verwandt wie auch in allen Phasen des täglichen Lebens
bis hin zu Zeremonien, zu Präsentationen, Schablonen oder einem
Leitfaden.
Deshalb sind Modelle universelle Instrumente und die zwar
kleinen aber wundervollen Helfer jeder menschlichen Tätigkeit,
da jedes Objekt und jede Idee zum Modell werden kann. Modelle
sind auch meist viel einfacher als die Originale sowie auf den
konkreten Gebrauch ausgerichtet.
Die zumeist wilde, mitunter auch völlig danebenliegende Unmenge
von Modellen scheint nicht überschaubar oder systematisierbar zu
sein. Die Modellkunde hat hier eine praktische Antwort gefunden.
Wir betrachten dazu exemplarisch einige prominente Modelle der
Ägyptologie, der Medizin und der Mathematik sowie auch Modelle des
täglichen Lebens. Damit können wir auch adäquate und verlässliche
Modelle abgrenzen von Vor-Modellen, Un-Modellen, Nicht-Modellen
und Schwindel-Modellen.
Vom erweiterten Begriffsmodell zum
entmonopolisierten Internet
Dr. Joachim Oelschlegel
aus Dresden
Fühlen, Denken und Handeln, emotional eingebettet in geistige
und körperliche Tätigkeit, bilden ein System mit Rückkopplung.
Begriffe bilden die Knotenpunkte
des Denkens über
- sich wiederholende Erscheinungen der Natur,
- menschliche Tätigkeiten/Handlungen zur Schaffung von
Artefakten und
- Verkürzung von Aussagen zum Zweck der effektiven
Kommunikation.
Individuelle Begriffsbildung (mentale) geht der
gemeinschaftlichen (öffentlichen) Begriffsbildung voraus.
In die individuelle Begriffsbildung gehen unterscheidbare
Bestandteile ein. Strukturen von a., b., c. (Gegenstandsbereich),
Gefühle, Bedürfnisse/Zwecke (Pragmatik), aktueller Kontext
(Rahmenbedingungen), Bedeutung (Semantik), Sinn und Bezeichnung.
Die gesellschaftliche Begriffsbildung reduziert sich auf
Gegenstandbereich, Bedeutung, Bezeichnung (Semiotisches Dreieck).
Diese Basiseigenschaften werden im individuellen und
öffentlichen Begriffsgebrauch in der Regel auf die Bedeutung
(Begriffsinhalt) und die Bezeichnung reduziert.
Beim Begriffsgebrauch in der analogen Kommunikation wird
durch SPO der Begriffsinhalt spezifiziert und reduziert.
In einer digitalen Kommunikation ist es der IT möglich, die
Quellen der Begriffe (das erweiterte Begriffsmodell) mit den
Zielen der aktuellen Kommunikation zu verbinden.
Jeder rationale Gedankengang lässt sich über
Begriffszusammenhänge bis zu den jeweiligen Fakten
graphisch darstellen. Damit sind Aufgaben- und Problemlösungen
durch einen Zielorientierten-Einschritt-Mensch-Maschine-Dialog
transparent nachvollziehbar. Auf einem dreigeteilten Bildschirm
ist neben dem Text eine farbliche Knoten-Kanten-Graphik möglich.
Gefärbte Knoten und Kanten unterscheiden zwischen
Hypothetisch-faktischem, Faktischem und Nichtfaktischen.
Aus Semantischen Netzen werden Pragmatische Netze
,
die nicht mehr verdeckte (unternehmerische) Ziele, sondern
individuelle Zielstellungen verwirklichen. Diese individuellen
Zielstellungen können im Digitalen Ich
(Personelle APP)
– als einer graphisch-objektorientierten Datenbank –
praktisch umgesetzt werden. Das Digitale Ich
ist die
Voraussetzung für ein entmonopolisiertes Internet.
Technische Universität Darmstadt,
Schlossgartenstr. 7, Raum 201
(Mathe-Gebäude, S2|15-201)